Wenn Klimarisiken das Geschäftsmodell gefährden

Der SVVK-ASIR sprach im Mai 2026 erstmals eine «Deny Debt»-Empfehlung gegen und sieben Unternehmen aus dem fossilen Sektor aus, darunter auch für PBF Energy Inc. (PBF). Im seit 2024 geführten Engagement zeigte PBF keine Bereitschaft zum Dialog und setzte keine grundlegenden Ziele zur Senkung der Emissionen. Deshalb sprach der SVVK-ASIR eine «Deny Debt»-Empfehlung aus. Die fehlenden Fortschritte sind Ausdruck eines tieferliegenden Problems: PBF erkennt Klimarisiken mittlerweile an, zeigt aber nicht, wie das Unternehmen sein stark fossiles Geschäftsmodell auf die Herausforderungen der Energiewende anpassen will. Deshalb fehlt Investoren die Grundlage, weiteres Kapital bereitzustellen.
PBF Energy Inc. (PBF) mit Hauptsitz in Parsippany, New Jersey (USA), gehört zu den grössten unabhängigen Raffinerieunternehmen der USA. Das Unternehmen verarbeitet Rohöl und vertreibt Treibstoffe, Heizöl, Schmierstoffe sowie petrochemische Vorprodukte. Das Geschäft basiert damit weiterhin überwiegend auf fossilen Energieträgern.
Das Unternehmen warnt selbst vor Klimafolgen
2025 beschreibt PBF erstmals öffentlich die Risiken des Klimawandels für das eigene Geschäft. Dazu zählen höhere CO₂-Kosten, strengere Vorschriften sowie mögliche Wertverluste von Anlagen und Investitionen. Das Unternehmen anerkennt damit, dass die Energiewende erhebliche Auswirkungen auf sein Geschäftsmodell haben kann.
Wie PBF auf diese Risiken reagieren will, bleibt jedoch offen. Das Unternehmen hat bisher nicht aufgezeigt, wie zukunftsfähig sein Geschäftsmodell unter veränderten Markt- und Regulierungsbedingungen ist. Für Investorinnen und Investoren ist genau das entscheidend. Risiken zu benennen ist ein erster Schritt. Ebenso wichtig ist die Frage, wie ein Unternehmen sein Geschäft und seine Investitionen an diese Veränderungen anpasst. Darauf liefert PBF bislang keine überzeugende Antwort.
Das grösste Risiko liegt im Kerngeschäft
Die entscheidende Herausforderung für PBF betrifft nicht die eigenen Raffinerien, sondern die verkauften Produkte. Mehr als 90 Prozent der Treibhausgasemissionen entstehen bei der Nutzung von Treibstoffen und anderen fossilen Produkten durch die Kundschaft. Die direkten Emissionen der Raffinerien fallen dagegen deutlich geringer aus. Gleichzeitig veröffentlicht PBF keine Ziele, wie diese Emissionen langfristig reduziert werden sollen.
Dadurch bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Wie soll ein Unternehmen langfristig erfolgreich bleiben, dessen wichtigste Produkte im Zuge der Energiewende zunehmend unter Druck geraten?
Einzelne Projekte ersetzen keinen Plan für den Umbau des Geschäfts
PBF investiert zwar in erneuerbaren Diesel [1], Wasserstoff [2] und erneuerbare Energien. Solche Projekte können wichtige Bausteine für die Weiterentwicklung eines Unternehmens sein. Bisher ist jedoch nicht erkennbar, welche Bedeutung diese Aktivitäten künftig für das Geschäft von PBF haben sollen. Das Unternehmen veröffentlicht weder Ziele für Umsätze noch für Gewinne oder Investitionen in diesen Bereichen. Deshalb ist nicht nachvollziehbar, ob die Projekte Teil eines umfassenden Umbaus des Geschäfts sind oder lediglich einzelne Initiativen ohne strategische Gesamtplanung darstellen.
Warum der SVVK-ASIR eine «Deny Debt»-Empfehlung aussprach
PBF hat in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Klimaberichterstattung, bei der Governance und bei der Identifikation von Risiken gemacht. Diese Fortschritte sind jedoch nur der Ausgangspunkt. Was weiterhin fehlt, ist ein glaubwürdiger Plan, wie das Unternehmen auf die langfristigen Herausforderungen der Energiewende reagieren will.
Die «Deny Debt»-Empfehlung soll daher ein klares Signal senden. Investoren erwarten nicht nur Transparenz über Risiken, sondern auch eine nachvollziehbare Strategie für die Zukunft des Unternehmens. Solange PBF nicht aufzeigt, wie das Geschäftsmodell in einer Wirtschaft mit deutlich weniger fossilen Energieträgern bestehen soll, erscheint die Bereitstellung von zusätzlichem Kapital für den Ausbau des heutigen Geschäfts nicht gerechtfertigt.
[1] Die Saint Bernard Renewables Anlage ist eine Bioraffinerie in Louisiana, die erneuerbaren Diesel aus biogenen Rohstoffen herstellt. PBF Energy hält daran einen 50%-Anteil und bilanziert die Beteiligung als sogenannte «Equity Method Investment», das heisst, die Beteiligung wird nicht voll konsolidiert, sondern anteilig in der Erfolgsrechnung erfasst.
[2] Das MACH2 (Mid-Atlantic Clean Hydrogen Hub) -Wasserstoffprojekt ist eine öffentlich unterstützte Initiative zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in der Region Delaware. PBF Energy ist Projektpartner und prüft dort Investitionen in grünen Wasserstoff und erneuerbare Energien.
Publikation: September 2026
Quellen: PBF Energy Inc. (2026), SVVK-ASIR (2026). Bild: Zbynek Burival.