Dialog zur Klimatransition: SVVK spricht erstmals «Deny Debt»-Empfehlung aus

29.05.2026Klima

Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK-ASIR) empfiehlt seinen Mitgliedern, vorerst keine neuen Mittel mehr in Schuldtitel von sieben Unternehmen zu investieren. Er spricht damit erstmals eine sogenannte «Deny Debt»-Empfehlung aus. Diese betrifft die folgenden Unternehmen des fossilen Sektors: Chevron Corp., ExxonMobil Corp., Marathon Petroleum Corp., PBF Energy Inc., Phillips 66, Saudi Arabian Oil Co. und Valero Energy Corp. Grund für den Entscheid sind ungenügende Fortschritte im Dialog zur Klimatransformation. Schuldtitel im Bestand sollen auslaufen, während bei Aktien weiterhin auf die aktive Ausübung der Stimmrechte gesetzt wird.

Der SVVK vereint zwölf grosse Schweizer Vorsorgeeinrichtungen und Versicherungen (svvk-asir.ch/ueber-uns). Ihr Ziel ist die Gewährleistung künftiger Renten und Leistungen für ihre Versicherten – dafür sind sie unter anderem auf stabile Erträge an den Finanzmärkten angewiesen. Die Mitglieder sind überzeugt, dass diese langfristig auch von der Sicherung der natürlichen Grundlagen abhängen – von einer intakten Umwelt. Vor diesem Hintergrund setzen sie sich für anpassungsfähige und vorausschauend agierende Unternehmen ein, die den notwendigen Wandel schrittweise vorantreiben.

Dialog als präferiertes Instrument

Der Dialog mit Unternehmen, auch «Engagement» genannt, gilt dabei als einer der wirksamsten Hebel für Investoren und ist das zentrale Instrument des SVVK. Ausgehend von den Verpflichtungen des Übereinkommens von Paris fordert der SVVK gemeinsam mit externen Partnern die CO₂-intensivsten Unternehmen in den Anlageportfolien seiner Mitglieder dazu auf, glaubwürdige Ziele zur Reduktion der Emissionen zu setzen und eine nachvollziehbare Strategie zu entwickeln (Klima‑Stewardship‑Politik ). Erwartet wird kein abrupter Wandel, sondern ein belastbarer Fahrplan und greifbare Fortschritte – auch im Peer-Vergleich.

Konsequenzen bei fehlendem Fortschritt

Engagement ist dann am wirkungsvollsten, wenn es mit der Bereitschaft verknüpft ist, bei Bedarf Konsequenzen zu ziehen. Bleiben Fortschritte aus, verfügen die SVVK-Mitglieder über abgestufte Eskalationsinstrumente (Engagement und Ausschluss Richtlinie ). Nach einem mehrjährigen Dialog und dessen abschliessender Überprüfung spricht der SVVK nun für sieben Unternehmen (Chevron Corp., ExxonMobil Corp., Marathon Petroleum Corp., PBF Energy Inc., Phillips 66, Saudi Arabian Oil Co. und Valero Energy Corp.) eine sogenannte «Deny Debt»-Empfehlung aus. Das bedeutet: keine neuen Investitionen in deren Schuldtitel zu tätigen und bestehende Anlagen schrittweise auslaufen zu lassen.

Dieser Entscheid erfolgt, nachdem über mehrere Jahre keine substanziellen Fortschritte erzielt wurden und die Dialogbereitschaft in Teilen begrenzt blieb. Er wird regelmässig überprüft und kann bei entsprechendem Fortschritt wieder aufgehoben werden.

Gezielter Fokus auf den Ausbau

Der «Deny Debt»-Ansatz zielt darauf ab, dem weiteren Ausbau CO₂-intensiver Geschäftsmodelle gezielt kein frisches Kapital mehr zuzuführen. Die Finanzierungsstrukturen variieren von Unternehmen zu Unternehmen, doch werden neue Investitionen häufig durch Fremdkapital finanziert.

Durch die Einschränkung des Zugangs zu solchen Finanzmitteln kann der Ansatz die Kapitalkosten für neue Projekte erhöhen und die wirtschaftliche Attraktivität einer weiteren Expansion verringern. Empirische Analysen legen nahe, dass die Finanzierung neuer Ölförderkapazitäten im Schnitt zu rund 64 % über Bankkredite und zu 26 % über Anleihen erfolgt. [1]

Der Fokus auf Schuldtitel adressiert damit einen zentralen Finanzierungskanal für neue Projekte. Gleichzeitig ermöglicht die Beibehaltung von Aktienbeteiligungen den Anlegern, ihre Einflussmöglichkeiten zu wahren. Die ergänzende Strategie zu «deny debt» ist daher «engage in equity» – die konsequente Wahrnehmung der Stimmrechte und die Unterstützung relevanter Anträge anderer Investoren. [2]

«Wir erwarten von den Unternehmen keine sofortige Transformation – aber einen glaubwürdigen Pfad dorthin. Wer diesen Pfad nicht aufzeigt, handelt den vereinbarten Klimazielen zuwider und erhöht systemische Risiken – darauf müssen wir reagieren.» Manuela Guillebeau, PUBLICA, Präsidentin SVVK-ASIR

Die Übersicht der aktuellen Empfehlungen zum Ausschluss des SVVK finden Sie auf unserer Webseite: https://svvk-asir.ch/de/ausschlussliste

[1] Cojanu et al. (2019). https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3376183

[2] Quigley et al. (2021). https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3849513