Pfandbriefe und Klimatransparenz

Pfandbriefe finanzieren indirekt einen erheblichen Teil des Schweizer Gebäudebestands. Die beiden Pfandbriefinstitute tragen somit eine Mitverantwortung für die CO2-Emissionen, die durch diese Immobilien verursacht werden. Seit 2023 setzt sich der SVVK-ASIR für mehr Transparenz bei der Offenlegung dieser Emissionen ein und verzeichnet bereits erste Erfolge.
In der Schweiz verursachen Gebäude und die Bautätigkeit jährlich rund elf Millionen Tonnen CO2, ein Viertel der Schweizer Gesamtemissionen. Gleichzeitig entfallen rund 40 Prozent des Energieverbrauchs sowie 84 Prozent des Abfallaufkommens auf diesen Sektor. Für den Erhalt sowie den Ausbau von Wohnfläche wird Kapital benötigt. Eine wichtige Refinanzierungsquelle für Finanzinstitute ist der Schweizer Pfandbrief.
Die beiden Schweizer Pfandbriefinstitute, die Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken (PBZ) und die Pfandbriefbank schweizerischer Hypothekarinstitute (PBB), sind eine zentrale Intermediäre zwischen Kapital- und Immobilienmarkt. Sie nehmen über die Ausgabe von Pfandbriefen Kapital auf und geben dieses in Form von Darlehen an ihre Mitgliedsbanken weiter, die damit wiederum private Hypotheken finanzieren. Die Mitgliedsbanken hinterlegen im Gegenzug erstklassige Grundpfandrechte an Wohnliegenschaften als Sicherheit. Diese bilden den sogenannten Deckungsstock – jenen Sicherheitenpool, der die Pfandbriefe absichert.
Ende 2025 belief sich das ausstehende Obligationsvolumen der beiden Institute auf rund 193 Milliarden Franken (SIX Marktwerte per 31. Dezember 2025). Damit zählen die PBB und die PBZ zu den bedeutendsten Emittenten im Schweizer Obligationenmarkt; nur das Volumen der Schweizer Eidgenossenschaft ist ähnlich gross. Für die Mitglieder des SVVK-ASIR – grosse Schweizer Vorsorgeeinrichtungen und Versicherungen – sind Pfandbriefe aufgrund ihrer hohen Kreditwürdigkeit (AAA-Rating), der Sicherheit sowie der Liquidität ein zentrales Anlageinstrument und entsprechend stark in den Portfolios enthalten.
Transparenz der Klimarisiken und Klimaverträglichkeit
Als verantwortungsvolle Investoren erheben die Mitglieder des SVVK-ASIR jährlich den CO2-Fussabdruck ihrer Anlagen zur Beurteilung der Klimarisiken und -verträglichkeit. Für die Pfandbriefanlagen fehlten diese Daten bislang. Deshalb hat der SVVK-ASIR seit 2023 den Dialog mit den beiden Instituten gesucht, um verlässliche Daten verfügbar zu machen – mit Erfolg:
- Die PBZ integrierte 2025 erstmals die durchschnittliche CO2-Intensität des Deckungsstocks in ihren Nachhaltigkeitsbericht. Dabei verwendete sie zunächst eine Methode, welche die indirekten CO2-Emissionen (sogenannte Scope-2-Emissionen) aus eingekauftem Strom, Wärme oder Kälte ausklammerte und damit die Vergleichbarkeit einschränkte. Erfreulicherweise baute die PBZ ihre Offenlegung 2026 weiter aus, indem sie zusätzlich die absoluten Emissionen transparent macht und neu die indirekten Scope-2-Emissionen offenlegt.
- Die PBB ermittelt die CO2-Emissionen ihres Deckungsstocks seit 2021 auf Basis eines Schätzverfahrens, das neben den direkten (Scope 1) auch indirekte Emissionen (Scope 2) einschliesst, was positiv zu bewerten ist. Erfreulicherweise baute auch die PBB 2026 ihre Berichterstattung weiter aus und legt nun die durchschnittliche CO2-Intensität des Deckungsstocks offen. Allerdings sind die absoluten CO2-Emissionen – im Gegensatz zur PBZ – weiterhin nicht Bestandteil der Berichterstattung.
Fazit: Für eine konsistente und marktübergreifende Vergleichbarkeit ist es notwendig, dass beide Institute die durchschnittliche CO2-Intensität nach einem gemeinsamen und somit vergleichbaren Standard offenlegen. Dieser Standard sollte sowohl die Scope 1 als auch die Scope 2 Emissionen einschliessen.
Ausblick: Dekarbonisierungsplan und Netto-Null
Im Zentrum steht die Frage, wie die durch Pfandbriefe mitfinanzierten Gebäude die Schweizer Klimaziele erreichen können. Viele Banken veröffentlichen heute Dekarbonisierungspläne, die aufzeigen, wie ihre Emissionen bis 2050 gesenkt werden sollen. Als zentrale Akteure in der Immobilienfinanzierung sollten auch die beiden Pfandbriefinstitute transparent darlegen, wie sich die Emissionen der Deckungsstöcke langfristig reduzieren lassen.
Der SVVK-ASIR begrüsst die erzielten Fortschritte und ermutigt beide Institute, den eingeschlagenen Weg hin zu mehr Klimatransparenz konsequent weiterzugehen.
Publikation: Juni 2026
Quellen: SIX (2026), SVVK-ASIR (2026). Bild: Guillaume Techer.